Das Kamelmilch-Projekt

Das Kamelmolkerei-Projekt startete im Jahre 2015. Mit großzügiger Unterstützung von Mitgliedern und Freunden der Liga für Hirtenvölker entstand ein Molkereigebäude auf dem Gelände der indischen Partnerorganisation LPPS (Lokhit Pashu-Palak Sansthan) bei Ranakpur in Rajasthan. Maschinen für die Kühlung der Milch und eine Abfüllanlage konnten angeschafft werden. Die Molkerei bezieht ihre Milch von Kamelhirten, die ihre Tiere in kräuterreichen Weidegebieten grasen lassen, was zu einer sehr guten Milchqualität führt. Besonders geschätzt wird Kamelmilch aufgrund ihrer Gesundheitswirkung bei Diabetes und ihrem positiven Einfluss auf an Autismus leidende Kinder. Die Milch wird täglich frisch, nur von registrierten und gesundheitlich gut überwachten Herden gewonnen. Sobald die Milch in der Molkerei ankommt, wird sie pasteurisiert , abgefüllt und anschließend in gefrorenem Zustand  an die Kunden nach Delhi und andere umliegende Städte geliefert.

Das von der Deutschen Umwelthilfe unterstützte Projekt „Capacity Building von Kamelnomaden in der hygienischen Erzeugung und Vermarktung von Kamelmilch“, das 2019 anläuft, beinhaltet die Verbesserung der Vermarktungsstrategien für Kamelmilchprodukte sowie intensive Schulungen im Bereich Milchhygiene- und Verarbeitung durch Trainingsveranstaltungen und Workshops für die lokalen Produzenten.


Pastoralismus – ein zukunftsweisendes, ökologisch angepasstes, produktives und wirtschaftliches Tierhaltungsmodell der Zukunft

Hirten produzieren Lebensmittel – ohne Einsatz von Kunstdünger, Hochleistungsfuttermittel und Antibiotika und tragen gleichzeitig zur Landschaftspflege und dem Erhalt der natürlichen Biodiversität bei. Dieses Wissen soll nun über Fachgruppen, die sich mit nachhaltiger Tierhaltung beschäftigen, hinaus auch einem breiten Publikum nahegebracht werden. Häufig werden Hirten und Schäfer fälschlicherweise noch mit negativen Einflüssen auf die Umwelt wie Überweidung und Wüstenbildung assoziiert. Es geht in diesem von Misereor unterstützten Projekt in erster Linie darum, pastorale Tierhaltung als Chance für eine wirtschaftliche, nachhaltig funktionierende und ethisch vertretbare Form der Nutztierhaltung zu erkennen und das mit ihr verbundene Potential für die weltweite Ernährungssicherung zu erhalten.


Institutionelle und politische Stärkung von mobilen Tierhaltergemeinschaften über die Erarbeitung lokaler biokultureller Gemeinschaftsprotokolle

Das Hauptziel dieses von Misereor unterstützten Projekts ist es, biokulturelle Gemeinschaftsprotokolle (BCPs) bekannter zu machen. Sie sind ein wichtiges Instrument für Pastoralisten und Tierhaltergemeinschaften, durch das sie ihre Rolle beim Biodiversitätserhalt und bei der weltweiten Lebensmittelproduktion dokumentieren und auch politische Entscheidungsträger auf ihre Bedeutung aufmerksam machen können.
Durch das Projekt soll die Methode der BCP-Erstellung verbessert werden, zudem gilt es, allgemeine Standards zu entwickeln, an denen sich Gemeinschaften und unterstützende NGOs bei der BCP-Ausarbeitung orientieren können. Hierfür werden Vertreter von Tierhaltergemeinschaften sowie UN Vertreter und erfahrene Spezialisten im Bereich BCPs im Rahmen eines Workshops gemeinsam ein Handbuch über biokulturelle Gemeinschafts-protokolle erarbeiten. Darüber hinaus sind mehrere Trainingsworkshops geplant, die verschiedene Gemeinschaften bei der BCP-Entwicklung unterstützen und die Methode vermitteln sollen.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, auf UN Ebene (Kommission für genetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft der FAO und die Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention u.a.) Akzeptanz für BCPs zu erreichen.


Stärkung der Rechte traditioneller Tierhalter/-innen im Rahmen internationaler Konventionen und Abkommen

 

In diesem global ausgerichteten Projekt geht es darum, Vertreter von Pastoralistenorganisationen und Nutztierhaltern, die eine wichtige Alternative zum stetig fortschreitenden Ausbau der industriellen Tierhaltung darstellen, weiterhin in internationale Gespräche einzubeziehen und ihnen eine Teilnahme an wichtigen Konferenzen und weichenstellenden Diskussionen über die Zukunft der Nutztierhaltung zu ermöglichen. Von besonderer Bedeutung ist hier die von der FAO initiierte Initiative GASL (Global Agenda of Action for Sustainable Livestock).

Mithilfe von weiteren Biokulturprotokollen, für die im Kontext des Projekts zusätzlich unterstützende Organisationen gewonnen und geschult werden sollen, gilt es, die Werte und das traditionelle Wissen über lokale Nutztierrassen zu dokumentieren und zu schützen. Ziel ist es, die Nutztierhalterrechte (Livestock Keepers` Rights) im Rahmen der CBD (Convention on Biological Diverstiy) einzufordern und umzusetzen.

Das Projekt wird von Misereor finanziert.


Das Arche-Projekt

 

Der vollständige Name dieses spannenden Projekts lautet: „Von Biokulturprotokollen zur Arche der Nutztiervielfalt“. Das Projekt begann im Juli 2011 und wird von der Hermès- Stiftung (Fondation d`enterprise Hermès) finanziert.
Aufbauend auf den Dokumentationen (Biokulturprotokollen) dreier Hirtengemeinschaften in Indien, Pakistan und Kenia sollen im Rahmen dieses Projekts die besonderen Qualitäten von traditionell hergestellten Lebensmitteln wissenschaftlich analysiert und belegt werden. Untersucht werden neben deren Nährwert- und Gehalt deren medizinische Wirkung sowie ihre sensorischen Besonderheiten.
Langfristiges Ziel dieser Studien ist die Entwicklung eines speziellen Labels oder einer Marke, die dem Verbraucher anzeigt, dass ein Produkt von einer lokalen Nutztierrasse bzw. aus einem biodivesitätserhaltenden Produktionssystem stammt.


Projekt zur Stärkung der Rechte traditioneller Tierhalter

 

Ziel dieses hauptsächlich von Misereor und Brot für die Welt getragenen Projektes ist es, Hirten und Kleinbauern im Rahmen des GAA (Globaler Aktionsplan zugunsten einer nachhaltigen Nutztierhaltung- www.livestock.dialog.org) eine Stimme zu geben und ihnen ein Mitspracherecht im internationalen Dialog zu diesem Thema zu erwirken.
Im September 2012 veranstaltete die Liga für Hirtenvölker eine internationale Konferenz in Bonn, an der zahlreiche politische Entscheidungsträger/innen, Vertreter von Tierhaltergemeinschaften, Expert/innen für Umwelt- und Entwicklungsfragen sowie Medienvertreter/innen teilnahmen und über die Zukunft der Nutztierhaltung weltweit diskutierten. Ein wichtiges Ergebnis dieser Konferenz ist, dass Hirten und lokale Viehhalter, die in kleinem Umfang produzieren als Teil des Privatsektors im Komitee der GAA vertreten sind und als eigene Interessensgruppe wahrgenommen werden.
Unter anderem wird in diesem Projekt eine Studie über die Bedeutung nomadischer und kleinbäuerlicher Viehhaltung in Bezug auf die Ernährungssicherung erstellt werden.